Titelbild: Die fünf Konzerne hinter dem Hörgerätemarkt
Markt & Branche

Die fünf Konzerne, die den Hörgerätemarkt beherrschen

Fünf Hersteller kontrollieren den Weltmarkt für Hörgeräte. Wer dahintersteckt, welche Marke zu welchem Konzern gehört und was das für Preise und Auswahl bedeutet.

Im Schaufenster eines Hörakustikers stehen oft ein Dutzend Marken nebeneinander, das wirkt nach grosser Auswahl und lebhaftem Wettbewerb. Die kurze Antwort auf die naheliegende Frage: Hinter dieser Vielfalt stecken im Kern nur fünf Konzerne. Sonova, Demant, WS Audiology, GN und Starkey kontrollieren je nach Marktbericht rund 80 bis 90 Prozent des Weltmarkts. Dieser Beitrag zeigt, wer dahintersteht und was die Konzentration für Auswahl und Preis bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fünf Konzerne (Sonova, Demant, WS Audiology, GN, Starkey) halten zusammen rund 80 bis 90 % des Weltmarkts.
  • Marktführer ist Sonova mit einem Anteil in der Grössenordnung von 30 Prozent.
  • Viele scheinbar konkurrierende Marken gehören demselben Haus (z. B. Phonak und Unitron beide zu Sonova).
  • Es ist ein Oligopol, kein Monopol. Vergleichen lohnt sich trotzdem, weil die Endpreise je Anbieter stark schwanken.

Hinweis zu den Zahlen: Marktanteile stammen aus Branchen- und Marktberichten und schwanken je nach Quelle und Abgrenzung (Stück- oder Umsatzanteil, Welt oder Region). Die genannten Bereiche sind als Grössenordnung zu verstehen, nicht als amtliche Statistik.

Wer den Markt beherrscht

Der weltweite Markt für klassische, vom Akustiker angepasste Hörgeräte verteilt sich im Wesentlichen auf fünf Konzerne. Marktberichte nennen für sie zusammen einen Anteil von rund 80 bis 90 Prozent, einzelne Auswertungen sogar darüber. Sonova mit Sitz in der Schweiz gilt dabei als grösster Anbieter.

KonzernSitzbekannte Marken
SonovaSchweizPhonak, Unitron
DemantDänemarkOticon, Bernafon, Philips Hearing
WS AudiologyDänemark/DeutschlandWidex, Signia
GNDänemarkReSound, Beltone
StarkeyUSAStarkey

Die Tabelle macht den entscheidenden Punkt sichtbar: Wer im Laden zwischen Phonak und Unitron „wählt”, bleibt im selben Konzern. Auch Oticon und Bernafon gehören zusammen, ebenso Widex und Signia. Die wahrgenommene Markenvielfalt ist also grösser als die tatsächliche Anbietervielfalt.

Oligopol, nicht Monopol: Was der Unterschied bedeutet

Ein Monopol hätte ein einziger Anbieter; der Hörgerätemarkt ist dagegen ein Oligopol, in dem sich wenige grosse Anbieter den Markt teilen. Das ist rechtlich und ökonomisch ein wichtiger Unterschied. In einem Oligopol gibt es durchaus Wettbewerb, etwa um die beste Technik oder das beste Klangerlebnis. Aggressive Preiskämpfe sind aber selten, weil keiner der grossen Anbieter ein Interesse daran hat, die Preise breit nach unten zu ziehen.

Für die Kundschaft hat das zwei Seiten. Einerseits sorgt der Innovationswettbewerb für stetig bessere Geräte, etwa bei Störgeräuschunterdrückung oder, zuletzt, beim Einsatz von künstlicher Intelligenz. Andererseits bleibt das Preisniveau insgesamt hoch, und „günstig” ist im Premiumsegment kaum ein Verkaufsargument.

Warum das für Sie zählt

Die Marktkonzentration ist kein abstraktes Branchenthema, sondern wirkt sich konkret aus:

  • Auswahl: Welche Geräte ein Akustiker führt, hängt auch davon ab, mit welchen Konzernen er zusammenarbeitet. Fragen Sie beim Beratungsgespräch ruhig nach, aus welchen Herstellern der Akustiker auswählen kann.
  • Preis: Die Kerntechnik im Premiumbereich stammt fast immer aus einem der fünf Häuser. Den grössten Unterschied beim Endpreis macht deshalb oft nicht die Marke, sondern der Anbieter und seine Marge. Einen Überblick über die Preisklassen gibt der Beitrag Was kosten Hörgeräte in der Schweiz?.
  • Unabhängigkeit: Mehrere der grossen Konzerne besitzen zudem eigene Ladengeschäfte. Echte Unabhängigkeit ist also weniger selbstverständlich, als das Schaufenster vermuten lässt.

Bewegung im Markt

Der Markt ist nicht in Stein gemeisselt. Neue Anbieter drängen vor allem im Bereich der OTC- und Online-Hörhilfen herein, und auch Technologiekonzerne mischen mit, etwa über Hörfunktionen in Kopfhörern. Ob das den fünf Grossen wirklich gefährlich wird, ist offen, aber es erhöht den Druck. Bewegung gibt es auch bei den Konzernen selbst: Die Akustik-Kette Amplifon will GN Hearing übernehmen; Hintergründe in der News-Meldung Amplifon übernimmt GN Hearing.

Fairerweise gehört dazu: Die hohe Konzentration hat auch Gründe. Hörgeräte sind Hochtechnologie-Medizinprodukte; Forschung, Zulassung und jahrzehntelange Entwicklung von Signalverarbeitung sind teuer und begünstigen grosse, kapitalstarke Anbieter. Niemand baut nebenbei ein konkurrenzfähiges Premium-Hörgerät.

Fazit

Die scheinbare Markenvielfalt im Hörgerätemarkt verdeckt eine ausgeprägte Konzentration auf fünf Konzerne. Das ist nicht per se schlecht, denn der Innovationswettbewerb ist real. Es lohnt sich aber, die Struktur zu kennen: Sie erklärt, warum echte Unabhängigkeit ein Wert ist, warum Preise hoch bleiben und warum der Vergleich verschiedener Anbieter trotz weniger Hersteller bares Geld spart. Wissen verschiebt hier ein Stück Marktmacht zurück zur Kundschaft.

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