Notfall & Gesundheit

Hörsturz: Was tun bei plötzlichem Hörverlust? Alles Wichtige auf einen Blick

Ein Hörsturz ist ein medizinischer Notfall. Wir erklären, was ein Hörsturz ist, wie er sich äussert, was die Ursachen sind und warum schnelles Handeln entscheidend ist.

Sie wachen morgens auf und bemerken: Auf einem Ohr hören Sie plötzlich kaum noch etwas. Oder mitten im Gespräch bricht das Gehör auf einer Seite ein. Das kann ein Hörsturz sein, und er erfordert sofortiges Handeln.

Was ist ein Hörsturz?

Ein Hörsturz (medizinisch: idiopathischer plötzlicher sensorineuraler Hörverlust) ist ein plötzlicher, einseitiger Hörverlust, der innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen auftritt. Der Hörverlust betrifft meist nur ein Ohr und kann alle Frequenzen betreffen oder nur bestimmte.

Genaue Zahlen für die Schweiz fehlen, Schätzungen gehen von etwa 20 bis 100 von 100’000 Menschen pro Jahr aus. Er kann in jedem Alter auftreten, ist aber am häufigsten zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr.

Wie äussert sich ein Hörsturz?

Die typischen Symptome eines Hörsturzes:

  • Plötzlicher Hörverlust auf einem Ohr, manchmal nach dem Aufwachen oder mitten in einer normalen Situation
  • Druckgefühl oder Völlegefühl im Ohr, wie bei einem Druckausgleich im Flugzeug, der nicht gelingt
  • Tinnitus: Klingeln, Rauschen oder Piepen im betroffenen Ohr
  • Schwindel: In manchen Fällen begleitet von Gleichgewichtsstörungen
  • Verzerrtes Hören: Töne klingen verzerrt oder metallisch

Wichtig: Nicht jeder Hörsturz ist dramatisch. Manche Betroffene bemerken zunächst nur ein leichtes Dumpfheitsgefühl und denken, das Ohr sei “verstopft”. Wenn sich das Gefühl nicht innerhalb von ein paar Stunden bessert: sofort zum Arzt.

Was sind die Ursachen?

Bei etwa 80 bis 90 Prozent aller Hörstürze bleibt die genaue Ursache unklar, daher der Begriff “idiopathisch” (= ohne bekannte Ursache). Diskutiert werden:

Durchblutungsstörung im Innenohr

Die am häufigsten vermutete Ursache: Eine vorübergehende Durchblutungsstörung der winzigen Blutgefässe im Innenohr führt dazu, dass die empfindlichen Haarzellen nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

Virale Infektion

Bestimmte Viren, darunter Herpes-Viren, können das Innenohr befallen und entzünden. Nach einer Grippe oder anderen Viruserkrankungen ist das Risiko erhöht.

Stress und psychische Belastung

Anhaltender Stress gilt als Mitauslöser: Er kann die Durchblutung beeinträchtigen und das Immunsystem schwächen. Viele Patienten berichten, dass der Hörsturz in einer besonders belastenden Lebensphase aufgetreten ist.

Autoimmunerkrankungen

In seltenen Fällen greift das Immunsystem die Strukturen des Innenohrs an.

Warum ist schnelles Handeln wichtig?

Beim Hörsturz gilt: Je früher Sie einen Arzt aufsuchen, desto besser. Zögern Sie nicht bis zum nächsten Werktag, sondern suchen Sie noch am selben Tag eine HNO-Praxis oder Notaufnahme auf.

Wichtig zu wissen: Ein Hörsturz hat eine vergleichsweise gute Prognose. Bei vielen Betroffenen verbessert sich das Gehör innerhalb von Tagen bis zwei Wochen von selbst, ohne jede Behandlung. Diese hohe Spontanheilungsrate macht es schwierig, den tatsächlichen Nutzen einzelner Therapien wissenschaftlich nachzuweisen. Trotzdem gilt: Abwarten ohne ärztliche Abklärung ist keine gute Idee, denn nicht alle Betroffenen erholen sich vollständig, und eine Untersuchung klärt, ob andere ernsthafte Ursachen vorliegen.

Wie wird ein Hörsturz behandelt?

Kortison (Kortikosteroide)

Kortison ist die am häufigsten eingesetzte Therapie beim Hörsturz, entweder als Tabletten (systemisch) oder direkt ins Mittelohr injiziert (intratympanal). Die Evidenz ist nicht eindeutig gesichert, da die hohe Spontanheilungsrate Studien erschwert. Viele HNO-Ärzte setzen Kortison dennoch ein, besonders bei mittel- bis schwerem Hörverlust, da das Risiko-Nutzen-Verhältnis günstig ist.

Ruhe und Stressreduktion

Unabhängig von der medizinischen Therapie ist Ruhe wichtig. Viele Ärzte empfehlen eine Krankschreibung für die Dauer der akuten Phase und eine Reduktion von Belastungsfaktoren.

Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO)

Bei schwerem Hörsturz oder wenn die Ersttherapie nicht anschlägt, kann eine HBO-Therapie sinnvoll sein: Der Patient atmet in einer Druckkammer reinen Sauerstoff, was die Sauerstoffversorgung des Innenohrs verbessert. In der Schweiz ist diese Therapie an wenigen spezialisierten Zentren verfügbar.

Infusionstherapie

Durchblutungsfördernde Infusionen wurden früher häufig eingesetzt. Sie gelten heute in vielen Leitlinien als nicht ausreichend belegt und werden seltener empfohlen.

Was passiert, wenn der Hörverlust bleibt?

Leider erholen sich nicht alle Patienten vollständig. Mögliche Langzeitfolgen:

  • Bleibender Hörverlust: Je nach Schwere kann ein dauerhafter Schaden zurückbleiben
  • Tinnitus: Oft besteht das Ohrgeräusch auch nach dem Hörsturz weiter
  • Schwindel: Kann ebenfalls länger anhalten

In diesen Fällen ist eine Hörgeräteversorgung der nächste Schritt, oder bei schwerem Verlust ein Cochlea-Implantat.

Hörsturz vorbeugen: Geht das?

Weil die Ursache oft unklar ist, gibt es keine garantierte Prävention. Aber diese Massnahmen können das Risiko senken:

  • Stress aktiv managen und Erholungspausen einplanen
  • Ausreichend schlafen
  • Auf Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen achten
  • Nicht rauchen (Nikotin verengt die Gefässe)
  • Lärm konsequent meiden

Fazit

Ein Hörsturz erfordert sofortige ärztliche Abklärung. Wer bei plötzlichem, einseitigem Hörverlust zögert und abwartet, riskiert einen dauerhaften Schaden, auch wenn viele Hörstürze von selbst wieder besser werden. Im Zweifel: noch am selben Tag zum HNO-Arzt oder in die Notaufnahme.

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