Titelbild: unsichtbare und Im-Ohr-Hörgeräte im Vergleich
Hörgeräte

Unsichtbare und Im-Ohr-Hörgeräte: Wie diskret geht es wirklich?

Im-Ohr-Hörgeräte von IIC bis ITE im Überblick: Wie unsichtbar sind sie, für wen eignen sie sich, und wo liegen die Grenzen gegenüber Hinter-dem-Ohr-Geräten?

„Sieht man das Hörgerät?” ist für viele die erste Frage überhaupt. Die kurze Antwort: Im-Ohr-Geräte können sehr diskret bis nahezu unsichtbar sein, vor allem die kleinste Bauform IIC, die tief im Gehörgang sitzt. Ganz unsichtbar und zugleich für jeden geeignet gibt es aber nicht, denn Diskretion geht auf Kosten von Leistung, Akkulaufzeit und Bedienkomfort. Dieser Ratgeber erklärt die Bauformen und für wen sie sich eignen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Im-Ohr-Geräte werden individuell gefertigt und sitzen ganz oder teilweise im Gehörgang.
  • Die Grössen von klein nach gross: IIC, CIC, ITC, ITE. Je kleiner, desto unsichtbarer, aber auch leistungsschwächer.
  • Gut geeignet bei leichtem bis mittlerem Hörverlust und gesundem, ausreichend grossem Gehörgang.
  • Grenzen: weniger Leistung, kürzere Akkulaufzeit, mehr Wartung, nicht für jeden Gehörgang.

Die Bauformen im Überblick

Im-Ohr-Hörgeräte (englisch In-the-Ear, ITE) tragen ihre gesamte Technik in einer massgefertigten Schale, die im Ohr sitzt. Sie unterscheiden sich vor allem in der Grösse:

KürzelNameSitzSichtbarkeit
IICInvisible-in-Canaltief im Gehörgangpraktisch unsichtbar
CICCompletely-in-Canalvollständig im Gehörgangsehr diskret
ITCIn-the-Canalim Gehörgang, etwas in der Muscheldiskret
ITEIn-the-Earfüllt die Ohrmuschelsichtbar, aber kompakt

Je kleiner das Gerät, desto unsichtbarer, aber desto weniger Platz bleibt für Akku, Verstärkerleistung, Mikrofone und Bedienelemente. Das ist der zentrale Zielkonflikt bei der Wahl.

Wie unsichtbar ist „unsichtbar”?

IIC-Geräte sitzen so tief im Gehörgang, dass sie von aussen praktisch nicht zu sehen sind. Ob das gelingt, hängt aber von der individuellen Anatomie ab: Der Gehörgang muss gross und gerade genug sein, damit das Gerät tief genug sitzt. Bei engem oder stark gekrümmtem Gehörgang ragt es weiter heraus oder kommt nicht infrage. Deshalb lässt sich „unsichtbar” erst nach einer Untersuchung des Gehörgangs verlässlich beurteilen, nicht pauschal versprechen.

Für wen eignen sich Im-Ohr-Geräte?

Gut geeignet sind sie bei leichtem bis mittlerem Hörverlust und einem gesunden, ausreichend weiten Gehörgang. Wer Wert auf maximale Diskretion legt und mit kleinen Bedienelementen zurechtkommt, ist hier richtig.

Weniger geeignet sind Im-Ohr-Geräte in diesen Fällen:

  • Starker Hörverlust: Die kleinen Bauformen liefern nicht genug Leistung; ein Hinter-dem-Ohr-Gerät verstärkt kräftiger.
  • Enger oder stark gekrümmter Gehörgang: Dann passt das Gerät nicht diskret oder gar nicht.
  • Starke Ohrenschmalzbildung oder feuchter Gehörgang: Schmalz und Feuchtigkeit setzen den kleinen Geräten zu und erhöhen den Wartungsaufwand. Wie Sie mit Ohrenschmalz umgehen, lesen Sie im Beitrag Ohr verstopft: Ohrenschmalz richtig entfernen.
  • Eingeschränkte Fingerfertigkeit: Sehr kleine Geräte sind fummelig beim Einsetzen, Reinigen und beim Batteriewechsel.

Im-Ohr oder Hinter-dem-Ohr?

Die Alternative sind Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO), die heute ebenfalls sehr klein und unauffällig sein können, besonders die RIC-Bauform, bei der nur ein dünnes Kabel zum Hörer (Receiver) im Gehörgang führt. Ein kompakter Vergleich:

Im-Ohr (ITE/CIC/IIC)Hinter-dem-Ohr (HdO/RIC)
Sichtbarkeitsehr diskret bis unsichtbardezent, aber sichtbar
Leistungbegrenztbis zu sehr hoch
Akku/Batterieklein, kürzere Laufzeitgrösser, längere Laufzeit
Bedienungkleine oder keine Tastengrössere Tasten möglich
Wartunganspruchsvoller (Schmalz)unkomplizierter
Bluetooth-Streamingteils eingeschränktmeist voll unterstützt

Eine ausführliche Gegenüberstellung aller Typen finden Sie im Hörgeräte-Typen-Vergleich.

Kosten und Kostenübernahme

Der Preis richtet sich vor allem nach der Technik-Klasse, nicht nach der Bauform. Innerhalb derselben Klasse macht es preislich wenig Unterschied, ob Sie ein Im-Ohr- oder ein Hinter-dem-Ohr-Gerät wählen; den grossen Sprung bewirkt die Klasse (Einsteiger bis Premium), nicht die Bauform. Die individuelle Fertigung der Ohrschale beim Im-Ohr-Gerät kann einen Aufpreis bedeuten. Wichtig: Die Pauschalen von IV (CHF 840 / 1’650) und AHV (CHF 630 / 1’237.50) gelten unabhängig von der Bauform. Mehr dazu im Beitrag Was kosten Hörgeräte in der Schweiz?.

Fazit

Unsichtbare und Im-Ohr-Hörgeräte sind eine attraktive Option für alle, die maximale Diskretion wünschen und einen passenden Gehörgang sowie leichten bis mittleren Hörverlust haben. Sie erkaufen die Unauffälligkeit aber mit weniger Leistung, kürzerer Laufzeit und höherem Wartungsbedarf. Ob ein Im-Ohr-Gerät für Sie geeignet ist, klärt sich am besten in der Probephase beim Akustiker, der auch beurteilt, wie diskret es bei Ihrer Anatomie tatsächlich sitzt.

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