Titelbild: Hörgeräte-Typen im Vergleich, im Ohr oder hinter dem Ohr
Hörgeräte

Im Ohr oder hinter dem Ohr? Die wichtigsten Hörgeräte-Typen im Vergleich

Welcher Hörgeräte-Typ passt zu mir? Wir vergleichen die gängigsten Modelle, erklären ihre Vor- und Nachteile und helfen Ihnen bei der Entscheidung.

Wer zum ersten Mal mit dem Gedanken spielt, ein Hörgerät zu tragen, steht vor einer verwirrenden Vielfalt. Im-Ohr-Geräte, Hinter-dem-Ohr-Geräte, Receiver-in-the-Canal: Die Fachbegriffe allein sind schon einschüchternd. Dabei ist die Wahl des richtigen Typs entscheidend dafür, ob man das Hörgerät tatsächlich gerne trägt oder es in der Schublade verstaubt.

In diesem Artikel erklären wir die wichtigsten Typen, ihre Vor- und Nachteile und welche Kriterien bei der Entscheidung eine Rolle spielen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vier Haupttypen: HdO (hinter dem Ohr), RIC (Lautsprecher im Gehörgang), IdO (im Ohr, mit ITE/ITC/CIC/IIC) und Knochenleitungs-Geräte für Spezialfälle.
  • RIC ist für die meisten Erwachsenen der beste Einstieg: dezent, natürlicher Klang, gute Konnektivität.
  • HdO ist am leistungsstärksten (auch bei hochgradigem Verlust), IdO/CIC/IIC am unauffälligsten (nur bei leichtem bis mittelgradigem Verlust).
  • Entscheidend sind Grad des Hörverlusts, Ohrform, Fingerfertigkeit und Lebensstil, nicht die Bauform allein.

Übersicht: Die wichtigsten Hörgeräte-Typen

TypSichtbarkeitFür welchen HörverlustBesonders geeignet für
HdO (Hinter-dem-Ohr)sichtbarleicht bis hochgradigstarken Hörverlust, einfache Handhabung
RIC/RITEdezentleicht bis hochgradigdie meisten Erwachsenen (idealer Einstieg)
IdO (ITE/ITC/CIC/IIC)dezent bis unsichtbarleicht bis mittelgradigmaximale Diskretion
Knochenleitungsichtbar oder implantiertSpezialfälleSchallleitungsschwerhörigkeit, einseitige Taubheit

1. Hinter-dem-Ohr (HdO): Der Klassiker

Das Hinter-dem-Ohr-Gerät ist weltweit der am häufigsten verkaufte Typ. Das eigentliche Gerät sitzt hinter der Ohrmuschel und ist über einen dünnen Schlauch oder Draht mit einem Ohrstück im Gehörgang verbunden.

Vorteile:

  • Sehr leistungsstark, geeignet für leichten bis hochgradigen Hörverlust
  • Einfach zu bedienen und zu warten
  • Batterien leicht wechselbar
  • Robust und langlebig

Nachteile:

  • Sichtbarer als Im-Ohr-Geräte
  • Kann bei starker körperlicher Aktivität verrutschen
  • Schall muss einen längeren Weg zurücklegen (bei Schlauch-Modellen)

Für wen geeignet: Für alle Altersgruppen, besonders empfohlen für ältere Personen wegen der einfachen Handhabung sowie für starken Hörverlust.

2. Receiver-in-the-Canal (RIC/RITE): Diskret und weit verbreitet

Der RIC ist heute im deutschsprachigen Raum das mit Abstand beliebteste Hörgerät. Ähnlich wie der klassische HdO sitzt das Gehäuse hinter dem Ohr. Der Unterschied: Der Lautsprecher (Receiver) befindet sich direkt im Gehörgang.

Vorteile:

  • Deutlich kleiner und diskreter als klassische HdO-Geräte
  • Hervorragender natürlicher Klang, da der Lautsprecher nah am Trommelfell sitzt
  • Offene Bauweise verhindert das “Topf-über-dem-Kopf”-Gefühl
  • Moderne Konnektivität (Bluetooth, App-Steuerung) meist integriert

Nachteile:

  • Empfindlicher als klassische HdO-Geräte (Feuchtigkeit im Gehörgang)
  • Receiver muss gelegentlich ausgetauscht werden
  • Standardmodelle stossen bei sehr starkem Hörverlust an Grenzen

Für wen geeignet: Für die meisten Erwachsenen mit leichtem bis hochgradigem Hörverlust, der ideale Einstieg.

3. Im-Ohr (IdO): Komplett im Gehörgang

Im-Ohr-Geräte sitzen vollständig in der Ohrmuschel oder im Gehörgang. Sie sind auf Mass gefertigt und passen sich der individuellen Ohrform an.

Varianten:

  • ITE (In-The-Ear): Füllt die gesamte Ohrmuschel aus
  • ITC (In-The-Canal): Sitzt im äusseren Gehörgang
  • CIC (Completely-in-Canal): Fast unsichtbar, tief im Gehörgang
  • IIC (Invisible-in-Canal): Komplett unsichtbar

Wie unsichtbar diese Bauformen wirklich sind und für wen sie sich eignen, lesen Sie im Beitrag Unsichtbare und Im-Ohr-Hörgeräte.

Vorteile:

  • Sehr diskret bis vollständig unsichtbar
  • Keine externe Komponente hinter dem Ohr
  • Natürliche Ohrmuschelwirkung bleibt erhalten

Nachteile:

  • Kleinere Batterien, kürzere Laufzeit
  • Schwieriger zu bedienen (kleine Tasten)
  • Nicht für alle Hörverluste geeignet
  • Anfälliger für Ohrenschmalz-Probleme

Für wen geeignet: Für Personen mit leichtem bis mittelgradigem Hörverlust, die Wert auf Diskretion legen.

4. Knochenleitungs-Hörgeräte: Die Spezialisten

Diese Geräte übertragen den Schall nicht über den Gehörgang, sondern direkt über den Knochen zum Innenohr. Sie werden am Kopf getragen oder chirurgisch implantiert.

Für wen geeignet: Für Personen mit Schallleitungsschwerhörigkeit, einseitiger Taubheit oder wenn der Gehörgang aus medizinischen Gründen nicht nutzbar ist.

Welcher Typ passt zu mir?

Die Wahl des richtigen Hörgeräts hängt von mehreren Faktoren ab:

Grad des Hörverlusts

  • Leicht bis mittelgradig: Fast alle Typen möglich
  • Mittel- bis hochgradig: HdO oder RIC empfohlen
  • Hochgradig bis an Taubheit grenzend: Nur leistungsstarke HdO-Geräte oder Implantate

Alter und Fingerfertigkeit

Ältere Personen oder Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik profitieren von grösseren Geräten mit einfacher Bedienung. Winzige CIC-Geräte sind schwierig zu handhaben.

Lebensstil

  • Sportlich aktiv: RIC mit Feuchtigkeitsschutz oder HdO
  • Viel telefonieren: Modelle mit Bluetooth-Streaming
  • Diskretion wichtig: CIC oder IIC

Ohrform und Gehörgang

Manche Gehörgänge sind zu eng oder zu gewunden für bestimmte Typen. Der Akustiker kann das beim ersten Termin beurteilen.

Was kosten die verschiedenen Typen?

In der Schweiz richten sich die Preise vor allem nach der Technikklasse. Üblich sind heute vier Stufen, einige Anbieter unterteilen sogar in fünf:

  • Basisklasse: ca. CHF 1’000–1’800 pro Gerät
  • Mittelklasse: ca. CHF 1’800–2’700 pro Gerät
  • Oberklasse: ca. CHF 2’700–3’600 pro Gerät
  • Premiumklasse: ca. CHF 3’600–4’500 pro Gerät

Die Preisunterschiede zwischen den Bauformen (HdO gegenüber IdO) sind dabei oft geringer als die Unterschiede zwischen den Technikklassen. Ein RIC mit Premium-Technik kostet mehr als ein klassischer HdO mit Basis-Technik. Eine ausführliche Aufschlüsselung samt IV- und AHV-Beiträgen finden Sie im Beitrag Was kosten Hörgeräte in der Schweiz?.

Die wichtigste Erkenntnis

Das “beste” Hörgerät gibt es nicht in einem Katalog. Es ist das, das zu Ihrem Hörverlust, Ihrer Ohrform, Ihrem Lebensstil und Ihren Prioritäten passt. Ein guter Hörakustiker nimmt sich Zeit für eine individuelle Beratung und lässt Sie verschiedene Modelle ausprobieren.

Vertrauen Sie keinem Akustiker, der Ihnen nach einem fünfminütigen Gespräch sofort ein bestimmtes Modell empfiehlt. Eine seriöse Erstberatung dauert mindestens eine Stunde.

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