Ratgeber

Hörgerät anpassen lassen: Was erwartet mich beim ersten Termin beim Akustiker?

Der erste Besuch beim Hörakustiker ist für viele unbekanntes Terrain. Wir erklären Schritt für Schritt, was passiert: von der Messung bis zur Anprobe.

Viele Menschen schieben den Gang zum Hörakustiker jahrelang vor sich her, aus Unsicherheit, was sie erwartet, oder aus der Befürchtung, gleich mit einem Hörgerät nach Hause geschickt zu werden. Dabei ist der erste Termin weder unangenehm noch verpflichtend. In diesem Artikel erklären wir genau, was beim Ersttermin passiert.

Vor dem Termin: Was sollten Sie mitbringen?

Beim ersten Besuch brauchen Sie in der Regel nicht viel. Hilfreich sind:

  • Krankenversicherungskarte
  • Liste aktueller Medikamente (manche beeinflussen das Gehör)
  • Falls vorhanden: frühere Audiogramme oder Hörtest-Ergebnisse

Eine Überweisung vom HNO-Arzt ist für den Besuch beim Hörakustiker selbst nicht nötig. Wichtig: Wenn Sie später Beiträge der AHV oder IV an ein Hörgerät beantragen möchten, brauchen Sie zwingend eine Expertise eines von der IV anerkannten HNO-Facharztes. Manche Akustiker überweisen Sie dafür nach dem Hörtest direkt weiter.

Kleiden Sie sich so, dass Ihre Ohren gut zugänglich sind, also am besten keine Mütze oder Kapuze.

Der Ablauf Schritt für Schritt

1. Anamnese-Gespräch (ca. 15 Minuten)

Zu Beginn führt der Akustiker ein ausführliches Gespräch. Er fragt nach:

  • Ihren Hörbeschwerden: Seit wann, in welchen Situationen, auf welchem Ohr?
  • Ihrer Lebens- und Arbeitssituation: Viel Telefon? Meetings? Musik?
  • Früheren Hörereignissen: Ohroperationen, Erkrankungen, Lärmexposition
  • Ihren Erwartungen: Was soll das Hörgerät können?

Seien Sie ehrlich und möglichst konkret. Je besser der Akustiker Ihre Situation versteht, desto passender wird die Empfehlung.

2. Ohreninspektion (Otoskopie)

Mit einem kleinen Lichtinstrument (Otoskop) schaut der Akustiker in Ihren Gehörgang. Er prüft, ob:

  • Ohrenschmalz den Gehörgang blockiert
  • Das Trommelfell sichtbare Schäden aufweist
  • Der Gehörgang für Hörgeräte geeignet ist

Dieser Schritt ist völlig schmerzlos und dauert nur wenige Minuten.

3. Der Hörtest (Audiometrie, ca. 20 bis 30 Minuten)

Das Kernstück des Ersttermins ist der Hörtest. Sie sitzen in einer schallisolierten Kabine oder einem ruhigen Raum und tragen Kopfhörer.

Tonaudiometrie: Sie hören verschiedene Töne in unterschiedlichen Frequenzen und Lautstärken und drücken einen Knopf, sobald Sie etwas hören. So entsteht ein Audiogramm, eine grafische Darstellung Ihres Hörvermögens.

Sprachaudiometrie: Sie hören Wörter oder Zahlen bei verschiedenen Lautstärken und wiederholen, was Sie verstanden haben. Das zeigt, wie gut Sie Sprache verstehen, nicht nur ob Sie Töne wahrnehmen.

Unbehaglichkeitsschwelle: Manchmal wird auch getestet, ab welcher Lautstärke Töne unangenehm werden. Das ist wichtig für die spätere Hörgeräteanpassung.

4. Auswertung und Beratung

Der Akustiker zeigt Ihnen Ihr Audiogramm und erklärt, was es bedeutet. Er beschreibt:

  • Ob und in welchem Bereich ein Hörverlust vorliegt
  • Wie stark der Hörverlust ist (leicht, mittelgradig, hochgradig)
  • Ob eine Hörgeräteversorgung sinnvoll wäre
  • Welche Typen und Technologien in Frage kommen

Ein seriöser Akustiker übt dabei keinen Druck aus. Er informiert, die Entscheidung liegt bei Ihnen.

5. Hörgerät-Anprobe (optional, oft im selben Termin)

Wenn Sie möchten, können Sie direkt im ersten Termin ein Hörgerät ausprobieren. Der Akustiker:

  • Wählt ein passendes Modell aus (basierend auf Ihrem Audiogramm)
  • Programmiert es vorläufig auf Ihre Hörkurve
  • Setzt es Ihnen ein und lässt Sie damit durch den Raum gehen

Viele Menschen sind überrascht, wie gut sie plötzlich wieder hören, auch Töne, die sie schon lange nicht mehr wahrgenommen haben. Das kann emotional sein.

Was kostet der erste Termin?

Der Hörtest beim Hörakustiker ist in der Schweiz in der Regel kostenlos und unverbindlich. Sie müssen nichts kaufen und werden zu nichts verpflichtet.

Erst wenn Sie sich entscheiden, ein Hörgerät anzuschaffen, entstehen Kosten. Dann kann je nach Situation die IV oder AHV einen Pauschalbetrag übernehmen. Voraussetzung dafür ist immer eine Expertise eines anerkannten HNO-Facharztes sowie ein bestimmter Mindesthörverlust (20% bei der IV, 35% bei der AHV). Mehr dazu in unserem Artikel zur Kostenübernahme.

Wie lange dauert die Anpassungsphase?

Ein Hörgerät ist nach dem ersten Termin noch nicht fertig angepasst. Die Feinanpassung erfolgt über mehrere Wochen:

  1. Woche 1 bis 2: Eingewöhnen in die neue Hörwelt, erstes Feedback geben
  2. Woche 2 bis 4: Feinanpassung basierend auf Ihren Rückmeldungen
  3. Nach 4 bis 6 Wochen: Abschlusskontrolle und Feinanpassung

Die meisten Akustiker in der Schweiz bieten eine Probephase von 30 bis 90 Tagen an. In dieser Zeit können Sie das Gerät zurückgeben, wenn es Ihren Erwartungen nicht entspricht.

Tipps für den ersten Termin

  • Nehmen Sie jemanden mit: Eine Begleitperson hört oft mit und kann Ergänzungen einbringen, die Sie selbst vielleicht vergessen
  • Stellen Sie Fragen: Es gibt keine dummen Fragen. Was kostet was? Wie lange hält die Batterie? Kann ich das Gerät beim Sport tragen?
  • Seien Sie ehrlich über Ihre Erwartungen: Wer hohe Ansprüche hat (z.B. viel Musik hören), sollte das sagen, damit das Gerät entsprechend ausgewählt wird
  • Vergleichen Sie: Es ist legitim, bei zwei oder drei Akustikern einen Termin zu machen, bevor Sie sich entscheiden

Fazit

Der erste Termin beim Hörakustiker ist ein informatives Gespräch, kein Verkaufsgespräch. Er gibt Ihnen Klarheit über Ihr Gehör und zeigt Ihnen Optionen auf. Die Entscheidung liegt immer bei Ihnen. Wenn Sie zögern: Machen Sie einfach einen Termin aus, kostenlos und unverbindlich.

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