Grade der Schwerhörigkeit: leicht, mittel, hochgradig — das Audiogramm verstehen
Was bedeutet leichte, mittelgradige oder hochgradige Schwerhörigkeit? Wir erklären die Grade des Hörverlusts, das Audiogramm und was die Werte für Sie bedeuten.
Nach einem Hörtest halten Sie ein Audiogramm in der Hand — und oft fällt ein Begriff wie „mittelgradige Schwerhörigkeit”. Doch was heisst das konkret? Dieser Ratgeber erklärt, wie der Grad eines Hörverlusts gemessen wird, was die einzelnen Stufen bedeuten und was sie für Ihren Alltag und eine mögliche Versorgung bedeuten.
Wie Hörverlust gemessen wird: das Audiogramm
Beim Hörtest prüft der Akustiker, ab welcher Lautstärke Sie Töne unterschiedlicher Tonhöhe gerade noch wahrnehmen. Das Ergebnis wird im Audiogramm festgehalten:
- Die waagrechte Achse zeigt die Tonhöhe (Frequenz) in Hertz (Hz), von tiefen zu hohen Tönen.
- Die senkrechte Achse zeigt die Lautstärke in Dezibel (dB), von leise (oben) nach laut (unten).
Je weiter unten Ihre Hörkurve verläuft, desto lauter muss ein Ton sein, damit Sie ihn hören — also desto grösser der Hörverlust. Aus den Werten über mehrere Frequenzen ergibt sich der durchschnittliche Hörverlust, und daraus der Grad.
Die Grade der Schwerhörigkeit im Überblick
Die folgende Einteilung ist die gebräuchliche Orientierung. Wichtig: Die genauen dB-Grenzen unterscheiden sich je nach Klassifikationssystem leicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Einteilung 2021 überarbeitet und unter anderem die Schwelle für normales Hören von 25 auf 20 dB gesenkt.
Normalhörigkeit (bis ca. 20 dB)
Sie hören auch leise Geräusche problemlos. Flüstern, Blätterrauschen oder eine tickende Uhr sind wahrnehmbar.
Geringgradige (leichte) Schwerhörigkeit (ca. 20–40 dB)
Leise Geräusche und Gesprächsfetzen entgehen Ihnen. In ruhiger Umgebung verstehen Sie gut, in Gruppen oder bei Hintergrundlärm wird es anstrengend. Viele bemerken in diesem Stadium vor allem, dass hohe Töne leiser werden — typisch für die altersbedingte Schwerhörigkeit.
Mittelgradige Schwerhörigkeit (ca. 40–60 dB)
Normale Gespräche werden ohne Hilfe schwierig, besonders mit mehreren Personen oder im Lärm. Spätestens hier wird häufig zu Hörgeräten geraten, weil der Alltag spürbar leidet.
Hochgradige Schwerhörigkeit (ca. 60–80 dB)
Auch laute Sprache ist ohne Hörgeräte kaum noch zu verstehen. Eine Versorgung ist in der Regel klar angezeigt und bringt meist deutliche Verbesserung.
An Taubheit grenzende Schwerhörigkeit (ab ca. 80 dB)
Selbst sehr laute Geräusche werden nur noch eingeschränkt wahrgenommen. Neben leistungsstarken Hörgeräten kommt je nach Situation auch ein Cochlea-Implantat infrage. Darüber hinaus spricht man von Gehörlosigkeit.
Was der Grad für den Alltag bedeutet
Der Grad ist nur ein Teil des Bildes. Zwei Menschen mit demselben Audiogramm können den Hörverlust sehr unterschiedlich erleben — je nachdem, wie viel sie unter Menschen sind, wie wichtig Telefonieren oder Musik für sie ist und wie gut das Gehirn Lücken ausgleicht. Deshalb gibt es keine starre dB-Grenze, ab der ein Hörgerät „Pflicht” ist. Entscheidend ist immer die Frage: Wie sehr beeinträchtigt der Hörverlust Ihr Leben?
Grad, Prozent und die Kostenfrage
Ein häufiger Punkt der Verwirrung: Der Grad in Dezibel ist nicht dasselbe wie der Prozentsatz des Gesamthörverlusts, den IV und AHV für ihre Kostenbeteiligung heranziehen (mindestens 20 % bei der IV, 35 % bei der AHV). Beide Werte hängen zusammen, beschreiben den Hörverlust aber auf unterschiedliche Weise. Welche Beiträge Sie erwarten können, lesen Sie im Beitrag Was kosten Hörgeräte in der Schweiz?.
Welches Gerät passt zu welchem Grad?
Grundsätzlich gilt: Je grösser der Hörverlust, desto leistungsstärker muss das Gerät sein. Bei leichter bis mittelgradiger Schwerhörigkeit ist die Auswahl an Bauformen gross, bei hochgradigem Verlust kommen eher kräftige Hinter-dem-Ohr-Geräte zum Einsatz. Welche Formen es gibt und wofür sie sich eignen, zeigt der Beitrag Hörgeräte-Typen im Vergleich.
Fazit
Der Grad der Schwerhörigkeit — von geringgradig bis an Taubheit grenzend — beschreibt, wie stark Ihr Hörvermögen gemindert ist, gemessen in Dezibel im Audiogramm. Er ist ein wichtiger Orientierungswert, aber nicht das letzte Wort: Ob und welche Versorgung sinnvoll ist, hängt ebenso von Ihrem Alltag ab. Wenn Sie Ihr Audiogramm besser verstehen möchten, lassen Sie es sich beim Akustiker in Ruhe erklären — eine gute Beratung nimmt sich genau dafür Zeit.